Social Media. Meine Leidenschaft. Und wieso Social Media Menschen eine „spezielle Spezies“ sind.

Als ich heute wach geworden bin, hatte ich einen Text für das „ich biete“ auf xing auf im Kopf. Doch je mehr ich an diesem gefeilt habe, umso länger wurde er. Und komplexer. Nun ja, somit war immerhin die Idee für dieses Blogposting geboren.
Es ist noch nicht so lange her, dass mir eine Arbeitskollegin sagte: „Ihr Social Media Leute tickt doch eh alle irgendwie anders“. Diese Aussage hatte mich im ersten Moment verwirrt. Später musste ich dem aber doch zustimmen: Social Media Leute – bzw. generell Webmenschen – sind in meinem Alter (ich bin 36) eine spezielle Spezies. Wir ticken nicht wie die Mehrheit der Menschen, die uns umgeben.

Mit Menschen, die das Web lieben, verbindet mich etwas – es ist eine Magie, die ich bei vielen Menschen, die nur arbeiten, um ihre Brötchen zu verdienen, oft vermisse. Natürlich trifft das nicht auf alle zu. Ich werde in diesem Beitrag etwas verallgemeinern – so denke ich, wird „meine Welt“ etwas transparenter.

Verstehen sich Onliner nur mit Onlinern?

Natürlich nicht! Meine beste Freundin ist eine totale Offlinerin – vielleicht 1-2 Mal pro Jahr auf Facebook anzutreffen. Und auch sonst verstehe ich mich gut mit Menschen, die nicht so affin gegenüber Web 2.0 sind. Doch eins haben diese Menschen gemeinsam: Sie finden das Web spannend. Auch wenn sie sich selber da drinnen nicht so bewegen können. Eine noch einfachere Erklärung ist, dass diese – in dem Fall Kolleginnen – selber Familien und 2 Kinder haben – und somit sich „anderen“ Dingen widmen als den unergründlichen Tiefen des Internets. Aber alle sie freuen sich, wenn jemand hierzu spannende Geschichten erzählen kann.

Was ich alles schon gehört habe

Probleme habe ich mit Personen, die Social Media „verteufeln“. Ich habe in meinem Berufsleben schon folgende Sätze gehört (alle aus unterschiedlichen Mündern):

„Du darfst auf keinen Fall firmeninterne Sachen irgendwo posten. Lösche das sofort“ -> als ich ein Posting mit einer Unternehmens-Medienmitteilung geshared habe.

„Die Leute sollen nicht im Internet schauen, was wir verkaufen, sondern in den Laden kommen!“

„Wir haben jetzt keine Zeit für dieses Facebook. Es reicht, wenn wir ein Mal pro Monat da was posten“.

Auf Anfragen von Kunden im Social Media soll man schnell reagieren. Was aber, wenn man von intern tagelang keine Antwort bekommt, weil Social Media ja eh total irrelevant „ist“. Und so muss der Community Manager einfach selber eine Antwort aus dem Hut zaubern.

Wollen die Unternehmungen überhaupt Social Media?

Es gibt Unternehmungen, die einfach mal eine Facebook Seite aufgesetzt haben. Und dann soll man bitteschön schauen, dass man damit mehr Verkäufe tätigt. So funktioniert das nicht. SO aber denken gewisse Arbeitgeber. Wenn es keine Unternehmensstrategie und entsprechend keine Marketingstrategie gibt: Wie bitteschön soll dann Social Media funktionieren, wenn es keine Ziele im Unternehmen gibt? Und dazu ein Teil der Geschäftsleitung sowieso SoMe boykottiert? Oft sind es gerade die Menschen, die nicht zugeben können, dass sie nichts davon verstehen. Sie sind total mit der Situation überfordert. Und somit auch mit der Person, die diesen Job macht. Für diese Leute ist alles Neue dann per Se einfach schlecht.

Schade, weil offene und flexible Menschen sollten doch in der Lage sein, sich zumindest für das zu interessieren, was um sie herum geschieht. Man muss ja nicht Meister der Materie werden – dafür gibt es ja die Spezialisten. Aber wenn diese dann doch plötzlich dazu beitragen, dass der Umsatz steigt, werden sie zu einer potenziellen Gefahr. Also wird boykottiert und das Revier abgegrenzt.

Was für Social Media Menschen ganz wichtig ist, sind andere Menschen. Ohne diese können wir nicht funktionieren. Je besser man mit den Produkt-, Event-, Kommunikationsmanager klar kommt, umso besser kann man seinen Job machen. Es sind diese Mitarbeitenden, die uns die Themen liefern. Und je motivierter diese bei der Arbeit sind, umso einfacher kommt man zu spannenden Inhalten und Stories. Das gleiche gilt für den Support: Ein Community Manager kann dazu beitragen, dass der Kundendienst auf Facebook & Co. verbessert wird: Aber hierzu braucht es im Background einen guten Kundendienst. Und Service-Leute, die mit einem Probleme lösen wollen. Ich hatte da früher das Glück mit einem Kollegen zu arbeiten, der wirklich meine gute Fee war. Er konnte verärgerte Kunden wieder glücklich machen  (danke G.S :).
Und ohne gute Produkte geht sowieso nichts. Hier sind die Produktverantwortlichen gefragt. Wir transportieren dies dann ins Netzt.

Und wie sind die Social Media Menschen denn so?

Auch wenn es sehr verallgemeinert ist: Social Media ist sehr schnelllebig. Jeden Tag ändert sich etwas. Auf Facebook kommen neue Funktionen dazu, andere fallen weg. Es kommen ständig neue Monitoring Tools – und der ROI (Return on Investment) ist immer noch nicht wirklich messbar. Als SoMe Mensch muss man immer Bescheid wissen, welche Plattformen aktuell sind und welche auch „Zukunft“ haben. Diese Plattformen wollen ausgetestet werden – aber in einem ersten Schritt nicht mit einem Unternehmensaccount. Um auf dem neusten Stand zu bleiben, muss ein SoMe Mensch viel lesen. Blogs z.B. auf dem Reader abonnieren und jeden Tag checken. Er muss vernetzt sein – denn nicht alles kann man wissen. Es gibt andere SoMe Fachleute, die vielleicht schon selber das eine oder andere Problem durchlebt haben. Hier muss man anknüpfen.

Somit. Wie ist jetzt dieser Social Media Mensch*? Ich würde es mal so beschreiben:

  • Hat eine gesunde Neugier
  • Experimentierfreudig
  • Flexibel
  • Ein guter Networker – natürlich auch im real Life. Für mich ist es sehr wichtig, den persönlichen Austausch mit Menschen zu haben. Es stimmt nicht, dass wir immer nur vor dem PC sitzen. Sofern es möglich ist, besuche ich Events und treffe mich mit Leuten. Hier ist’s eigentlich wie in jeder Branche. Ein Webinar oder ein Artikel sind nicht das gleiche, wie ein Referat oder eine Weiterbildung.
  • Muss schnell Entscheidungen treffen können
  • Denkt vernetzt: Kennt sich in der Kommunikation (PR / Branding), Marketing, Betriebswirtschaft aus
  • Ist ein guter Kommunikator
  • Braucht Freiräume und keinen kontrollfreakigen Chef
  • Versteht nicht, wieso Homeoffice bei vielen Unternehmungen immer noch kein Thema ist. Die gleich gute Arbeit (oder einen noch besseren Job) kann man von überall her verrichten.
  • Hat Probleme mit bequemen Menschen, die ihren Job „ausssitzen“ und somit einen nicht unterstützen bei der Arbeit
  • Muss sich „austoben“ können
  • Braucht offene Vorgesetzte & ein Umfeld, das „keine Angst“ vor Social Media hat
  • Ob jetzt jemand zuverlässig, sehr gut organisiert etc. ist, liegt wohl wieder in den einzelnen Charakteren. Die einen können sehr kreativ und doch organisiert sein, andere sind vielleicht chaotisch und trotzdem zuverlässig…

*Natürlich gibt es hier auch immer zu unterscheiden, dass es bereits diverse Rollen im Social Web gibt: Die Social Media Manager, Community Manager, Social Media Analysten etc.

Und: Ein richtiger Social Media Mensch macht seine Arbeit mit Leidenschaft. Er hat Spass daran, wenn er etwas bewegen und neue Tore öffnen kann. Diese Leidenschaft hört nicht nach Arbeitsschluss oder am Wochenende auf. SIE IST DA. Omnipräsent.

Ein Community Manager denkt in Stories und News. Egal wo er ist – das Gesehene, die Erfahrungen, feine Gerüche – je nachdem was die Themen sind: Es wird verarbeitet. So geht’s auch mir als Beauty/Fashion/Lifestyle-Bloggerin. Bevor ich meinen Blog hatte, wusste ich nicht, wohin ich mit all meinen Erfahrungen hinsoll. Sie waren da. So zahlreich. Geschichten über Geschichten. Und es wäre eine Verschwendung gewesen, diese nicht weiterzugeben. Zu erzählen. Ich hätte für jeden Tag 10 Stories. Aber erstens kann ich an einem Tag nicht so viel erzählen, und zweitens, wäre das für meine Leser eine Zumutung 😉

Und weil wir schon beim Thema Fashion/Beauty/Lifestyle sind: Für mich ist das eine weitere Leidenschaft. Ich liebe es zu nähen, malen, basteln, dekorieren. Mich interessieren Stoffe & Materialien und wie man diese zusammensetzen kann. Mich faszinieren Menschen, die eine Geschichte haben. Die ihren Stil gefunden haben. Fashion ist etwas sehr Schnelllebiges – von Saison zu Saison kommen neue Kollektionen, neue Formen, neue Farben. Und auch hier möchte ich immer wissen, was läuft. Ich möchte „bei diesem Spiel“ aktiv mitmachen.

Kombiniert mit Social Media ergeben sich zwei … wie soll ich das nennen … zwei Welten, welche extrem schnell an einem vorbeiziehen. Es braucht extrem viel, damit man hier mithalten kann. Es genügt nicht einfach zu sagen: Ach ja, sehr spannend. Es braucht MEHR. Es braucht diese intrinsische Motivation, die es zulässt, in diese Welt einzutauchen. Mit allen Sinnen, die einem zur Verfügung stehen.
Plötzlich befindet ich mich irgendwo mit den Gedanken und die Kreativität lässt mich auf Dinge sehen, die ich so vorhin nie gesehen oder erlebt habe. Und hierzu braucht es dann eben zusätzlich auch noch ganz viel Inspirationen. Wenn man nicht die ganze Zeit reisen kann, hole ich mir diese z.B. abends auf Pinterest. Ich kann nach Wohninspirationen suchen und diese auf meinen Boards zusammenstellen. Und plötzlich kommen wieder ganz viele neue Ideen…

Somit ist ein Social Media Mensch (eher Community Manager hier) auch am besten in einer Branche aufgehoben, zu der er eine Affinität hat. Doch eben auch bei einem Brand, der ihn nicht zu sehr „einengt“ und die Freiheit des freien Denkens „raubt“. Schwierig zB, wenn man auf die Konkurrenzmarke steht (Bsp. Volvo) aber für Toyota arbeitet und hier aufzeigen muss, wie toll die Autos sind (fiktives Bsp.)

So, ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag etwas Licht ins Dunkle bringen. Und vielleicht auch dem einen oder anderen Arbeitgeber zeigen, auf was sie bei der Rekrutierung achten müssen…

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3 Gedanken zu “Social Media. Meine Leidenschaft. Und wieso Social Media Menschen eine „spezielle Spezies“ sind.

  1. Hallo Justyna
    Guter Blog – und ich kann deine Erfahrungen bestätigen. Auch deine Einschätzungen teile ich. Was mir gefällt ist, dass Du in deinem Alter ähnlich tickst wie ich als „digital immigrator“ der ersten Stunden.
    Obwohl dein Blogeintrag lang und ausführlich ist, habe ich mir – wie dir gestern in Twitter #srfthevoice 😉 – versprochen, den Blog von A bis Z durchgelesen. Weil er gut ist und nicht aus Gefälliogkeit!
    Bravo weiter so und beste Grüsse Hans Gerber
    P.S. Wenn Du mal an einem Erfahrungsaustausch interessiert bist, melde dich.

    1. Hi Hans
      Dankedanke
      Tja, wenn einem was auf der Seele liegt, dann purzeln die Worte nur so runter. Dieser Blog ist mein “Zweitblog” -ich musste mich fokussieren und habe dann einen Beautyblog eröffnet, welchen ich regelmässig bewirtschafte. Hier kommen jedoch Themen rein, die mit Kosmetik & Co. nicht zu tun haben.
      Wir sehen uns am Mittwoch auf Twitter – und sonst – ich komme aus Riehen, vielleicht mal in BS zu einem Kaffe

      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
      Justi
      PS: Habe gesehen, dass ich die Kommentarfunktion vereinfachen sollte hier…

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